Der BRH Sachsen war eingeladen zur Diskussionsrunde
Am 8.Februar 2018 hat die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung das „1.Donnerstagsgespräch 2018“ durchgeführt. Das Jahresthema für 2018 lautet: „Stadt-Land-Mensch. Regionalität und Identität.“ Interessierte Bürger des Freistaates, Vertreter von Vereinen und Gewerkschaften nahmen daran teil. Dr. Roland Löffler, der neue Direktor des Hauses, führte kompetent und zielgerichtet durch das Programm. Mit einem sehr guten Impulsreferat von Herrn Dr. Rainer Klingholz, Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, wurde die Abendveranstaltung eröffnet und im Podium nahmen danach Platz Dr. Löffler, Dr. Klingholz, Mischa Woitscheck, Geschäftsführer vom Städte-und Gemeindetag e.V., und Stefan Szuggat, Stadtplanungsamt Dresden.
„Heimat riecht: Nach Harz und nach Heu, nach Leder, nach Kuchenbacken, nach Ruß und Rauch: Sie riecht jedenfalls und kündet nach Leben“, schrieb Christian Graf von Krockow 1984 in der ZEIT. Der aus Pommern stammende Politikwissenschaftler entwarf ein Bild von Heimat, das vermutlich viele Menschen teilen.
Heute stehen Dörfer und Kleinstädte in Sachsen vor großen Herausforderungen. Einst Orte der Land- und Forstwirtschaft, sind sie heute oft nur noch Schlafstätten. Kaum ärztliche Versorgung, fast keine Geschäfte mehr und geschlossene Schulen prägen das Bild. Manches Dorf steht sogar komplett vor dem Aus, wenn keine Arbeitsplätze in erreichbarer Nähe sind, das Vereinswesen erlahmt, und der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet. Wir wissen zum Beispiel, dass deshalb in den Orts-und Kreisverbänden des BRH Sachsen die Gewinnung neuer jüngerer Mitglieder äußerst schwierig geworden ist. Doch aufzugeben ist aber der falsche Weg.
Vor allem die Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz erfreuen sich eines großen Zulaufs an jungen Menschen – und täglich überlegen die Stadtverwaltungen, wie der Wohnbedarf, die Nachfrage nach Schulen und Kitas befriedigt werden kann. Auch ältere Menschen zieht es jetzt in die Städte, einmal der besseren Versorgung wegen oder in der Nähe ihrer Kinder zu sein.
Stadt ist nicht gleich Stadt und Land ist nicht gleich Land – doch eines haben alle gemeinsam: „Sachsen steckt mitten im demografischen Wandel.“
Die Bevölkerung wird älter, sie schrumpft, richtig große Geburtenzuwächse fehlen, vor allem im ländlichen Raum, die junge aktive Generation bleibt dort wo sie Arbeit findet und das Leben pulsiert. Wie sich die Bevölkerungsstruktur weiter verändert und ob eine gute Durchmischung stattfindet hängt davon ab, wie schnell ein gesellschaftlicher Konsens gefunden wird. Denn grundsätzlich brauchen sich Jung und Alt.
Große Hoffnungen knüpfen alle Besucher des Donnerstagsgespräches an das Regierungsprogramm, welchem Michael Kretzschmer, neuer Ministerpräsident von Sachsen, große Bedeutung beimisst. Er betonte vor ein paar Tagen:
„..dass ein enger Schulterschluss zwischen Land und Kommunen sehr wichtig ist. Mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern wollen wir zusammen die Zukunftsthemen in unserem Freistaat meistern: Schneller Breitbandausbau, frühkindliche Bildung, sicheres Leben. Überall packen wir gemeinsam an. Und wir wollen gemeinsam den Zusammenhalt in unserem Land stärken. Dazu trägt die kommunale Familie mit ihrer engen Beziehung zu den Bürgerinnen und Bürgern bei.
Deshalb gilt für mich: Wir haben nach den vergangenen Reformen eine gute Struktur, die eine bürgernahe Verwaltung sichert und auf der wir aufbauen können. Wir wollen leistungsstarke große und kleine Städte und Gemeinden haben, die vor Ort ein gutes Lebensumfeld für die Sachsen schaffen können. Wenn Kooperationen dabei helfen, werden wir diese gern unterstützen. Wir müssen den Druck von den kleinen Gemeinden nehmen, sich zu großen Einheiten zusammenzuschließen. Kleine Gemeinden sind kein Auslaufmodell, sondern geben vielen Menschen Heimat und Identifikation. Wir müssen diese Kommunen durch finanzielle Stärkung, Zusammenarbeit und Digitalisierung befähigen, dauerhaft moderne Verwaltungsdienstleister zu sein.“
Diese Worte aus dem Regierungsprogramm machen den Menschen Hoffnungen. Die Diskussionsrunde war sich einig, es müssen nun Taten folgen.
Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten, doch mit Lösungen, die alle Menschen im Freistaat Sachsen mitnehmen, kann er die Gesellschaft stärken. Das Leben in unserem Bundesland ist schön, kann aber noch schöner und lebenswerter werden.
Diesem Fazit schließen wir uns als BRH Sachsen an. Nun ist jeder gefragt mitzutun.
Ihre
Rita Kiriasis-Kluxen, Landesvorsitzende BRH Sachsen

